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Leserbrief: Höchstmengen von Coffein in Energydrinks

Vor einigen Tagen erreichte uns eine E-Mail über das Kontaktformular von Marcus:

Hi Energy-Drinks-Team,

hab‘ eine Frage an euch, da ich etwas verwirrt bin was die rechtliche Situation hinsichtlich des  Koffeingehaltes bei Energy-Drinks in Deutschland angeht? Vermutlich wisst Ihr hier aber die Antwort.

– Wie ich es verstehe sind grundsätzlich bis 320mg/l Koffein erlaubt.

– Unter welchen Bedingungen ist nun aber mehr Coffein erlaubt?
> Energyshots haben entsprechend mehr Koffein /Liter, Gleiches gilt für den Drink cofain 699.

Müssen solche Produkte einfach nur gesondert gekennzeichnet werden oder benötigen diese eine Art „Sondergenehmigung“ in deutschland/EU? Was sind die absoluten Maximalgrenzen, die definitiv nicht überschritten werden dürfen?

Würde mich freuen wenn Ihr dies vielleicht wisst. Danke für die Info.

Besten Gruss
Marcus

Mit diesem Artikel möchten wir deine Fragen beantworten. Unsere Recherche hat ergeben, dass die Regelungen nicht auf Anhieb klar und ersichtlich sind. Ein Paragraphen- und Verordnungs-Dschungel verbirgt geschickt die Antworten. Wir werden uns nun langsam durch diesen kämpfen.

Grundsätzlich gilt in Deutschland eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel die einen erhöhten Coffeingehalt aufweisen. Nach der Verordnung über die Kennzeichnung von Lebensmitteln (Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung – LMKV) Paragraph §8 Mengenkennzeichnung von Zutaten Absatz 5 gilt:

Bei Getränken, die im verzehrfertigen Zustand mehr als 150 Milligramm Koffein pro Liter enthalten, ist die Angabe „erhöhter Koffeingehalt“, gefolgt von der Angabe des Koffeingehaltes in Klammern in Milligramm pro 100 Milliliter, im selben Sichtfeld wie die Verkehrsbezeichnung anzubringen.

Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/lmkv/BJNR016260981.html

Passend zu diesem Thema gab das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am 11. Mai 2012 in einer Pressemitteilung den Beschluss von Höchstgrenzen für Energy Drinks bekannt.

Vorgesehen sind folgende Höchstmengen:
Koffein 320 mg/l

Taurin 4.000 mg/l
Inosit 200 mg/l
Glucuronolacton 2.400 mg/l

Quelle: http://www.bmelv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2012/132-Energydrinks.html

Also gibt es Höchstgrenzen für die oben genannten Wirkstoffe in Energy Drinks. Auch Getränke mit Fruchtsaftgehalt und Erzeugnisse aus anderen europäischen Staaten sind von diesen Regelungen betroffen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat dazu zwei rechtskräftige Vorordnungen herausgegeben:

  1. koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk mit einem Fruchtsaftgehalt von 20 % und mit Zusatz von 320 mg/l Koffein sowie mit Zusatz von Taurin, Glucuronolacton und Inosit (BVL 10/01/010)
  2. koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk mit einem Fruchtsaftgehalt von 50 % und mit Zusatz von 320 mg/l Koffein sowie mit Zusatz von Taurin, Glucuronolacton und Inosit (BVL 10/01/011)

Ausnahmen sind zulässig, müssen aber vorher als Ausnahmegenehmigung beantragt werden. Dabei werden Angaben über die genaue Rezeptur mit allen Inhaltsstoffen und den entsprechenden Mengenangaben, Verpackungsentwürfe und Spezifizierungen der Unbedenklichkeit der Inhaltsstoffe verlangt. Dazu gibt es im Archiv des BVL ein entsprechendes Merkblatt.

Lieber Marcus, du hast also mit den 320mg Coffein pro Liter vollkommen recht. Allerdings können Ausnahmeregelungen einen höheren Coffeingehalt ermöglichen. Als passendes Beispiel ist der Drink Cofain 699 mit 69,9 mg Coffein pro 100 ml anzuführen.

Was ist nun mit den sogenannten Energy Shots und anderen stark coffeinhaltigen Produkten? Hier haben die Hersteller nicht mehr die Möglichkeit von Energy Drinks oder Getränken zu reden, daher gilt hier wieder der Begriff Lebensmittel. Wie bereits angesprochen (LMKV §8 Abs. 5) ist bei Lebensmitteln lediglich eine Kennzeichnungspflicht bei erhöhtem Koffeingehalt notwendig. Diese Produkte werden als (Functional) Shot oder nach dem übergeordnetem Begriff Functional Food bezeichnet. Diese Bezeichnung für die Kategorie der Lebensmittel hat sich in Europa nicht durchgesetzt. Herr Dürrschmid und Herr Zenz vom Institut für Lebensmitteltechnologie der Universität für Bodenkultur Wien erläutern diesen Sachverhalt in einem Essay zum Thema ganz richtig:

Während sich in Japan der Begriff der functional Food stark auf die Gesundheit bezieht und einen wissenschaftlichen belegbaren, medizinischen Nutzen bezieht, ist die Verwendung des Begriffs in den USA und in Europa unscharf und schließt auch Produkte mit physiologischen Wirkungen wie Stimmungsmodifikation (z.B.: durch Koffein oder  Kräuterextrakte) und Leistungsförderung (Energy Drinks) mit ein (14).

Quelle: http://homepage.boku.ac.at/duerr/Functional%20Foods.pdf

Auch Onmeda hat diesem Thema einen tollen Artikel gewidmet, in dem explizit auf Energy Drinks / Functional Food eingegangen wird:

Im Produktangebot von Functional Food finden sich derzeit Substanzen, die sich auf spezifische Anwendungsgebiete konzentrieren: Koffein, Glucuronlacton und Inosit zur Steigerung der körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit

Quelle: http://www.onmeda.de/ratgeber/ernaehrung/trends/functional_food-anwendungsgebiete-und-inhaltsstoffe-14104-4.html

 Die genaue rechtliche Kontrolle und Regulierung des Functional Food ist bisher noch nicht gegeben. Somit gibt es bei diesen Lebensmitteln keine Höchstgrenze für Coffein.

[UPDATE]

Generell gehört ein Energy Drink, Shot  oder Pulver zu der Kategorie des Functional Food. Die deutsche Rechtssprechung hat bisher noch keine Definition oder Beschränkungen für solche Lebensmittel bzw. Nahrungsergänzungsmittel herausgegeben. Demnach fehlt eine gesetzliche Regelung (vgl. Blogeintrag des Handelsblatt vom 16.12.2011 – http://blog.handelsblatt.com/rechtsboard/2011/12/16/functional-food-oder-arzneimittel/):

[…] In Deutschland und der Europäischen Union bestehen für die Produktgruppe der Functional Foods bisher weder eine verbindliche Definition noch spezifische rechtliche Rahmenbedingungen. […] Um eine höhere Rechtssicherheit für die Lebensmittelunternehmen zu erzielen, wäre es allerdings wünschenswert, dass der deutsche und/oder europäische Gesetzgeber einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen für Functional Foods sowie klare Kriterien für eine Abgrenzung der Functional Foods von anderen Produktkategorien wie Arzneimitteln schaffen würde.

In der Schweiz gibt es eine Definition von dem Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Definition
Als „Functional Food“ werden heute im allgemeinen Lebensmittel bezeichnet, die dem Verbraucher nebst Sättigung und Nährstoffzufuhr einen zusätzlichen Nutzen versprechen, der in der Steigerung des körperlichen Wohlbefindens liegen soll. Allerdings gibt es bisher keine allgemein gültige Definition des Begriffs, weder im Recht noch in der Wissenschaft. In der internationalen Fachliteratur sind eine Anzahl weiterer Begriffe für Functional Food zu finden, die teilweise synonym verwendet werden (etwa pharma food, nutraceuticals, alicaments). Eine vorläufige, knappe und hinreichend präzise Definition lautet: Functional Food sind Lebensmittel mit einem spezifischen Zusatznutzen, der über den ernährungsphysiologischen Nutzen der darin enthaltenen Nährstoffe hinausgeht.

Bei Energy Drinks ist, im Gegensatz zu Shots und Pulver, die deutsche Rechtslage klar. Wie bereits angesprochen gelten die Definitionen nach LMKV §8 Abs. 5 und BMELV Pressemitteilung Nr. 132 vom 11.05.12.

Der Hersteller des Red Bull Energy Shots geht auf die besagte Problematik und Kennzeichnung seines Produktes mit der Beantwortung der Frage „Warum ist Red Bull Energy Shot als Nahrungsergänzungsmittel klassifiziert?“ ein.

Energy Shots werden allgemein als Nahrungsergänzungsmittel klassifiziert. Nahrungsergänzungsmittel sind konzentrierte Quellen von Nährstoffen und anderen Substanzen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung, die in dosierten kleinen Mengen aufgenommen werden sollten.
Quelle: http://www.redbull.de/cs/Satellite/de_DE/Red-Bull-Energy-Shot/001243044072584?pcs_c=PCS_Product&pcs_cid=1243041559134&pcs_pvt=faqs 

[/UPDATE]

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4 Kommentare

  1. default avatar

    ich kenne noch „Dominator Strong Energy“ 250ml Dose…56mg/100ml.

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    die Herstellerwebsite ist glaube ich auf polnisch? also kein „deutsches“ Erzeugnis.. und ob man fürs Fitnesstraining wirklich nen Energy Drink benötigt??

    • default avatar

      Wir vertreten da einen klaren Standpunkt: Beim Sport und auch davor und danach, lieber auf Energy-Drinks verzichten. Nach Möglichkeit auch besser auf Kaffee verzichten, da es primär um das enthaltende Koffein geht… mehr dazu haben wir noch in einem Interview mit Tobias Fendt herausgefunden. Er vertritt aber eine andere Meinung und trinkt gerne einen Kaffee vor dem Sport und spricht von einer minimalen Leistungssteigerung durch den Placebo-Effekt.

      Grüße

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