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Wieso dürfen schwangere Frauen keine Energy-Drinks trinken?

Viele Frauen erhalten zu Beginn der Schwangerschaft von ihrem begleitenden Arzt einen wichtigen Hinweis. Sie sollen nach Möglichkeit auf Koffein und allgemein koffeinhaltige Produkte verzichten. Gilt dies auch für Energy Drinks? Dort sind die Hersteller gesetzlich dazu verpflichtet, Warnhinweise auf die Verpackung aufzudrucken:

Erhöhter Koffeingehalt (32 mg/100 ml); Kindern, Schwangeren und koffeinempfindlichen Personen wird vom Verzehr abgeraten. Nur in Maßen konsumieren.

Müssen Schwangere nun vollständig verzichten oder sind kleinere Konsummengen gestattet?

Die wissenschaftliche Bewertung hat sich im Mittel zu der Aussage bewegt, dass während der Schwangerschaft nicht auf den Genuss von Koffein verzichtet werden muss. Es gibt neben Energy Drinks auch andere Koffeinquellen, die Bekanntesten dürften Kaffee, Tee (schwarz, grün, weiß), Cola, Schokolade, Mate und diverse Medikamente (Kopfschmerz- & Erkältungstabletten) sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. hat eine Stellungnahme und Konsumempfehlung herausgegeben. Eine Menge von 200 mg Koffein pro Tag (5 mg bis 6 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht) sollten demnach nicht zur gesunden Entwicklung des ungeborenen Lebens überschritten werden. Die britische Food Standard Agency (FSA) hält sogar bis zu 300 mg Koffein pro Tag für unbedenklich. Alle Informationsquellen legen der werdenden Mutter beim Verzehr eine Empfehlung nah: Nach- und Berechnen!

Andere Forscher kommen nach Studien an Menschen zu der Erkenntnis, dass bis zu zwei Tassen Kaffee (pro Tasse werden dabei circa 110 mg Koffein gerechnet) keine signifikanten Auswirkungen auf das Neugeborene haben.

Die Auswirkungen des Koffein auf un- und neugeborenes Leben beziehen ihre Informationen größtenteils aus Studien mit Tierversuchen an Mäusen. Die dort beobachteten Reaktionen reichten von einer Fehlgeburt über zu geringem Geburtsgewicht, bis zu Wachstumsretardierung (Wachstumsverzögerung). In einigen Fällen wurde sogar ein negativer Einfluss auf die Entwicklung des Herzens festgestellt. Neben diesen Folgewirkungen konnten auch unmittelbare Wirkungen festgestellt werden. Die bekannten anregenden Einflüsse des Koffein auf den Körper konnten kurz nach der Einnahme auch beim Embryo beobachtet werden.

Eine Studie bringt Klarheit

Die wahrscheinlich nennenswerteste Studie auf diesem Gebiet wurde vom Fachblatt British Medical (Bd. 337, S. a2332, 2008) veröffentlicht. Diese befasste sich weniger mit der Höchstmengenbestimmung, sondern viel mehr mit der Wirkungsweise von geringen Mengen. Es bestätigte sich die Annahme, dass die Neugeborenen umso leichter waren, je mehr Koffein sie ausgesetzt waren. Eine klare Abhängigkeit zur aufgenommenen Menge wurde ausgemacht: Eine Menge von 100 mg Koffein führten zu 20% geringerem Geburtsgewicht. Die doppelte Menge von 200 mg führte zu 50% geringerem Geburtsgewicht. Mehr als 800 mg hatten Früh- und Fehlgeburten zur Folge. Das Fazit dieser Studie war damit eindeutig. Auch geringe Mengen schaden!

Die Aufnahme von Koffein erfolgt über den Darmtrakt und gelangt so in die Blutbahn. Das Ungeborene nimmt über die Plazenta die gleiche Konzentration wie die Mutter auf. Organe und deren Funktionen verhalten sich natürlich vollständig anders, als bei einem ausgewachsenen Menschen. Die Koffeinhalbwertszeit beträgt bei einem ausgewachsenen Menschen durchschnittlich vier bis sechs Stunden. Föten und Neugeborene haben kein ausreichend funktionierendes Lebersystem, wodurch die Halbwertszeit bei 80 bis 100 Stunden liegt. Der Körper reagiert also viel sensibler und ist nicht in der Lage, in der gleichen Zeit die Menge Koffein abzubauen wie die Mutter. An dieser Stelle ist es ebenfalls wichtig zu erwähnen, dass der Körper der Frau während der Schwangerschaft Koffein langsamer als normal abbaut.

Eine recht junge Studie des British Journal of Pharmaology stellte an Mäusen eine eingeschränkte Muskelkontraktion bei Koffeinexposition fest. Demnach gelangte eine Eizelle schwerer zur Gebärmutter als normal. Vermutlich hat Koffein auch einen temporären Einfluss auf die Fruchtbarkeit.

Als Fazit und Ratschlag kann zusammenfassend festgestellt werden, dass auch keine geringen Mengen Koffein von einer schwangeren Frau konsumiert werden sollten. Jeder schädliche Einfluss summiert sich mit Anderen. Die Hinweise auf eine negative Beeinträchtigung sind deutlich gegeben – in welchem Umfang ist strittig. Konzentration des Koffein in Kombinationswirkung mit anderen Inhaltsstoffen der Energy Drinks lassen nur einen Schluss zu: Schwangere sollten in der Schwangerschaft und Stillzeit auf Koffein und insbesondere Energy Drinks vollständig verzichten.

Stand: Juni 2012

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Gefährlichkeit von Koffeinpulvern

Koffeinpulver rücken nach einem tragischen und tödlichem Zwischenfall in den USA in die Aufmerksamkeit der FDA. Die Gefährlichkeit der Pulver werde nach Angaben der Behörde von den Konsumenten unterschätzt. Nach der Einnahme einer Überdosis verstarb ein 18 Jahre alter Jugendlicher. Die Gefahr der Überdosierung ist bei Pulvern wesentlich großer als bei den sonstigen üblichen Handelsformen. Ein Kaffee oder Energydrink haben pro Tasse bzw. Dose eine Menge von 100 bis 150 mg Koffein. Ein Teelöffel reines Koffein kann allerdings eine Menge von 25 Tassen Kaffee enthalten. Gesundheitliche Störungen und Einschränkungen können bei falscher Einnahme die Folge sein. Vorsicht ist bei diesen Pulvern immer geboten!

2 Kommentare

  1. default avatar

    Sie haben es an Mäusen getestet

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