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Das Blattgold im WTF? Energy-Drink

Goldene Zeiten – E175 als Lebensmittelzusatzstoff in Getränken

WTF? - Die 200 ml Flasche
WTF? – Die 200 ml Flasche

Vor einiger Zeit konnten wir über ein neues Konzept auf dem Energy-Drink-Markt berichten. Ein Hersteller hatte die Idee einen Energy-Drink der gehobeneren Klasse mit Blattgold auf den Markt zu bringen. Die Rede ist hier von dem Energy-Drink WTF? der Firma WTF? UG (haftungsbeschränkt) aus Escherndorf. Anfang Mai hatten wir Kontakt mit dem Hersteller, der uns mitteilen musste, dass der Energy-Drink auf Grund der Lebensmittelzusatzstoff-Verordnung vom Markt genommen werden muss. Etwas überrascht von dieser Nachricht begannen wir mit der Recherche über Gold (E175) als Lebensmittelzusatzstoff.

Zu Beginn fielen uns mehrere Produkte ein, bei denen Gold bereits zugelassen ist. Als bekannte Beispiele dafür sind anzuführen:

  • Danziger Goldwasser: Ein Gewürzlikör mit Blattgold
  • Magnum Gold: Ein Stileis mit Goldpartikeln in der Glasur
  • Diverse Pralinen: Blattgold zur Dekoration

Die Recherche zu diesem Thema führte zu einem überraschenden Ergebnis. Die Nutzung dieses edlen Zusatzstoffes ist stark eingeschränkt, sodass eine Zulassung lediglich für Überzüge in Süßwaren, Verzierung von Pralinen und Likören als synthetischer Lebensmittelfarbstoff vorliegt. Der oben genannte Energy-Drink lässt sich augenscheinlich in keine dieser Kategorien einordnen, sodass er per Definition keine Zulassung als Lebensmittel hat.

Diese einfachen und banalen Einschränkungen waren für uns schwer nachzuvollziehen, sodass wir Kontakt zu dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) aufnahmen und wissen wollten, warum Gold so restriktiv eingesetzt wird.

Als Antwort erreichte uns eine Stellungnahme mit dem Verweis auf die Artikel 6 und 8 der Verordnung Nr. 1333/2008 der Europäischen Gemeinschaft (EG).

Eine Kurzfassung dieser zwei mächtigen Absätze schränkt die Nutzung der Lebensmittelzusatzstoffe stark ein. Wir haben die Absätze unter geringem Informationsverlust zusammengefasst:

Das Blattgold im WTF? Energy-Drink
Das Blattgold im WTF? Energy-Drink

Ein Lebensmittelzusatzstoff darf nur verwendet werden, wenn er gesundheitlich unbedenklich oder technisch notwenig ist, den Verbraucher nicht täuscht bzw. irreführt, die ernährungsphysiologische Qualität fördert, besondere Ernährungsbedürfnisse befriedigt, die organoleptischen Eigenschaften oder als Hilfstoff im Produktionsprozess (Herstellung, Verarbeitung, Zubereitung, Behandlung, Verpackung, Transport oder Lagerung von Lebensmitteln) Relevanz hat. Verboten ist die Nutzung, wenn dadurch Verschleierung mangelhafter Zutaten stattfindet.
Da Gold im Speziellen nicht nur als Lebensmittelzusatzstoff angesehen, sondern der Kategorie der Farbstoffe zugeordnet wird, gelten weitere Bedingungen (Absatz 8).
Ein Farbstoff darf nur zugelassen werden, wenn er den in Absatz 6 genannten Anforderungen genügt. Als weitere Kriterien muss er entweder das ursprüngliche Erscheinungsbild von Lebensmitteln wiederherstellen, es äußerlich ansprechender machen oder normalerweise farblose Lebensmittel einfärben.

Vergleicht man diese Richtlinien nun mit dem vorliegenden Fall, dann stellt sich die Frage, warum eine strikte Interpretation dieser Verordnung angewandt wurde. Es lässt sich sowohl von der Verbots-, als auch von der Zulassungsperspektive argumentieren. Sicher ist Gold als Farbstoff kein Kriterium, das technisch notwendig ist, als Hilfsstoff benötigt wird oder ein besonderes Ernährungsbedürfnis befriedigt. Allerdings ist es unserer Auffassung nach eine Produktveredelung und macht es äußerlich ansprechender.

Gerade aus ernährungsphysiologischer Sicht scheint nichts gegen die Aufnahme von Gold zu sprechen. Es wird unverändert vom Organismus ausgeschieden und laut Richtlinien existiert kein ADI-Wert, der die tägliche Aufnahmedosis reguliert. Demnach sollte eine Argumentation bezüglich einer Ausnahmeregelung gegenüber den behördlichen Stellen möglich sein, warum dies dennoch nicht möglich war, ist für uns nicht nachvollziehbar.

Bei der Recherche ist dennoch ein Fakt deutlich geworden. Es existieren sehr wenig wissenschaftliche Daten über das Thema Gold in Lebensmitteln.

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4 Kommentare

  1. default avatar

    Hallo,
    auch wenn es ein alter Artikel ist, so könnte man ihn evtl. doch berichtigen. Ihnen ist ein Zahlendreher unterlaufen.
    Gold hat die E-Nummer E175.

  2. default avatar

    Die eigentliche Frage wäre: Warum Gold überhaupt in Nahrungsmitteln verarbeiten wenn es keinen Nahrungsmittelergänzungswert hat.
    Gold ist eine kostbare ressource für die Industrie (nicht nur Schmuck). Nicht jeder blödsinn, nur weil er toll ist und ungefährlich sollte gemacht werden oder erlaubt sein. Also sollte man doch durhaus etwas besseres mit Gold anfangen als es durch sich durch zu jagen und im Klo runter zu spülen.

    • default avatar

      Gold in Lebensmitteln hat eher einen kosmetischen Sinn. Einen Mehrwert für den den Metabolismus könnte man höchstens aus esoterischer Sicht betrachten, allerdings sind mir keine wissenschaftlichen Erkenntnisse für positive Auswirkungen des Goldes als Nahrungsergänzungsmittel bekannt.

      Ob es nun sinnvoll ist das Gold im wahrsten Sinne das Klo herunterzuspülen ist natürlich fraglich. Allerdings kann zur Produktveredelung betragen vgl. Danziger Goldwasser oder mit Goldfolie überzogene Pralinen.

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