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Wie viele Energy-Drinks muss man trinken um davon zu sterben?

Aktuelle BfR-Studie erforscht das Energy-Drink-Konsumverhalten von Hochverzehrern

Energy-Drinks und ihr Missbrauch

Einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zufolge sind Energy-Drinks schädlich; das dürfte nur die allerwenigsten überraschen. Das BfR befragte in einer aktuellen Studie 508 sogenannte „Hochverzehrer“ von Energy-Drinks nach ihren Konsumgewohnheiten. Als „Hochverzehrer“ gilt bereits jemand, der innerhalb von 24 Stunden mindestens einen halben Liter Energy-Drink konsumiert. Somit ist jemand, der eine gewöhnliche 500 ml Dose eines beliebigen Energy-Drinks trinkt bereits ein Hochverzehrer. Über diese Einteilung lässt sich sicherlich streiten, aber für die Forschung muss man nun einmal eine Grenze festlegen. Bei dieser Studie kam heraus, dass auf Partys, LAN-Partys und Sport-Events erhebliche Mengen an Energy-Drinks konsumiert werden und sich nur sehr wenige der Befragten über die Risiken ihres Konsums im Klaren waren. Besonders männliche Personen im Alter zwischen 20 und 25 Jahren sollen die größte Gruppe unter den Hochverzehrern bilden. Das BfR spricht von einer gesundheitlichen Gefährdung durch den hohen Konsum und erwähnt in dem Zuge Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem. Vor allem vor dem Mischen mit Alkohol warnt das Institut.

 

Energy-Drinks und Alkohol

Zunächst einmal zur Sache selbst. Energy-Drink und Alkohol haben nichts im selben Glas zur gleichen Zeit verloren. Die Risiken die diese Mischung beinhaltet sind unberechenbar und hoch. Es besteht die Gefahr der Dehydrierung, da sowohl Alkohol als auch Energy-Drink eine harntreibende Wirkung haben. Des Weiteren überlagert der Effekt des Energy-Drinks den Effekt des Alkohols, wodurch man sich auch dann noch fit und nüchtern fühlt, wenn man bereits zu viel Alkohol im Blut hat. Der Alkoholkonsum wird dadurch unberechenbar und es kommt nicht selten auch zur Alkoholvergiftung. Und als hätte man seinem Körper damit noch nicht genug Schaden zugefügt, powert das Herz über diese Zeit hinaus weiter ohne Pause. Eine US-Amerikanische Studie besagt zudem, dass Partygänger, die ihren Alkohol mit Energy-Drink mischen, nicht nur deutlich mehr trinken als diejenigen, die ihre Mischungen ohne Energy-Drink zu sich nahmen, sondern auch vier mal so viele von ihnen von sich glaubten noch Auto fahren zu können, obwohl der Promille-Wert im Blut bereits viel zu Hoch war. Daher finde ich es sehr bedenklich, dass Bars und Clubs derartige Mischungen direkt verkaufen, wobei schon auf jeder Dose der Hinweis steht, dass Energy-Drinks nicht mit Alkohol gemischt werden sollen. Dies hat seinen Grund!

Ein eisgekühlter Energy-Drink - Erfrischung oder Gesundheitsrisiko?
Ein eisgekühlter Energy-Drink – Erfrischung oder Gesundheitsrisiko?

 

Energy-Drinks und Sport

Auch bei Sportveranstaltungen ist das Thema Energy-Drinks sicherlich mit Vorsicht zu genießen. Gerade bei jüngeren Jugendlichen sieht man häufig dass sie zum Sport Energy-Drinks konsumieren; möglicherweise in der Erwartung, dadurch leistungsfähiger zu sein. Aber auch hier steht ein entsprechender Warnhinweis auf jeder Energy-Drink-Dose. „In Verbindung mit körperlicher Anstrengung können unerwünschte Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden.“ Man stelle sich nur einmal vor, was im Körper passiert, wenn ein 13 Jähriger, beispielsweise zum Fußballtraining, einen Energy-Drink zu sich nimmt. Ein 13 Jähriger, so darf man jedenfalls annehmen, hat noch keinen ausgewachsenen Körper und auch noch keine ausgewachsenen Organe. Trinkt dieser 13 Jährige nun eine Dose Energy-Drink – bei den beliebtesten Marken in der 500 ml Portion – hat das nicht ausgewachsene Herz in dem jungen Körper schon allein mit der Menge Koffein schon viel zu verkraften. Hier bietet sich immer wieder das schon leicht abgegriffene Beispiel zum Kaffee an, in dem man die Frage stellt, ob dieser junge Mensch auch einen halben Liter Kaffee zum Sport trinken würde, oder noch globaler, ob seine Eltern ihn einen halben Liter Kaffee trinken lassen würden. Ich lehne mich einmal weit aus dem Fenster und behaupte, dass diese Frage in 98% aller Fälle verneint werden würde. Nun kommt also zu der Belastung durch das Koffein des Energy-Drinks auch noch die körperliche Belastung beim Sport hinzu und zudem noch körpereigenes Adrenalin, das ebenfalls einen Einfluss auf das Herz hat. Man muss sicherlich kein Arzt sein um zu bemerken, dass man seinem Körper hiermit keinen Gefallen tut. Je früher man mit dieser Belastung bei einem noch nicht vollständig ausgebildeten Herzen anfängt, desto größer sind auch mögliche Folgeschäden für das Herz-Kreislaufsystem. Dies gilt allerdings auch für erwachsene Herzen. Auch sie mögen die Doppelbelastung durch Koffein und körperlicher Anstrengung nicht besonders.

 

Ein Tray Energy-Drinks
Ein Tray Energy-Drinks

Studien und ihr fragwürdiges Medienecho

In diesen Punkten stimme ich vollkommen mit dem BfR überein und ich bin ein klarer Befürworter für ein Mindestalter für den Verkauf von Energy-Drinks. Weiterhin ist neben dem Mischen von Alkohol und dem Verzehr von Energy-Drinks beim Sport auch der recht hohe Verzehr auf LAN-Partys die Rede. Meine erste Kritik gilt der Studie selbst. Die Methode der Befragung sah vor, dass die 508 Personen die interviewed wurden, entweder in Clubs und Discos oder auf Sportveranstaltungen und LAN-Partys befragt wurden. Das heißt also im Klartext, man hat sich die Person mit einem Energy-Drink oder einem Energy-Alkohol-Gemisch in der Hand herausgepickt und musste dann feststellen, dass derjenige ja gerade in dieser als gesundheitsgefährdend eingestuften Situation einen Energy-Drink zu sich nahm. Somit musste man in dieser Studie zwangsläufig zu derartigen Ergebnissen kommen. Aber das an sich ist noch nicht verwerflich, solange man nicht auf eine Allgemeinheit schließt. Die Studie ist nur nicht besonders aussagekräftig. Es wäre in etwa so, als würde man ausschließlich Bürokaufleute zu ihrem täglichen Pensum an körperlicher Bewegung befragen und feststellen, dass sie die meiste Zeit in ihrem Büro sitzend verbringen. Was am Ende aber vor allem bei solchen Studien übrig bleibt, sind die Extremfälle, auf die sich dann eine Pressemeute stürzt, um sie populistisch aufzuarbeiten. Wenn man derzeit über diese Studie des BfR etwas liest, fallen einem direkt fett gedruckte Zwischenüberschriften in den Artikeln auf die so lauten wie: „Bis zu fünf Liter“ oder „Extremer Konsum auf LAN-Partys“. Rhetorische Eyecatcher, die gleich ganze Menschengruppen in eine Schublade stecken und für Staunen und Empörung sorgen sollen; nur eben genauso repräsentativ, als würde man sich das Gehalt eines DAX-Aufsichtsratsvorsitzenden anschauen und die Aussage treffen, „Die Deutschen verdienen bis zu 2,5 Mio. Euro im Jahr.“ Das BfR begründet seine Studie mit dem Ziel, herausfinden zu wollen, wie die typischen Konsummuster bei Hochverzehrern aussehen, um das gesundheitliche Risiko abschätzen zu können und befragt Menschen in speziellen Ausnahmesituationen. Meiner Meinung nach ist das irgendwie am Ziel vorbei geschossen.

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Ein Kommentar

  1. default avatar
    SonTyp OhneNamen

    Eingangs gleich: Ich bin Mitglied dieser Hochgefährdetengruppe 20-25-jähriger Männer, und nach der obigen Einteilung gehöre ich anscheinend auch zu den sog. „Hochverzehrern“. Die Frage ist, ob „einmal im Jahr innerhalb von 24 Stunden 500ml konsumieren“ oder „jeden Tag, also ALLE 24 Stunden mindestens 500ml konsumieren“ gemeint ist (zu letzterer Gruppe gehöre ich nämlich entschieden nicht).
    Zudem erscheint der „Energy-Drinks und Sport“-Abschnitt des Artikels etwas schlecht recherchiert, so fehlen mir persönlich Studien zum Einfluss von Koffein auf die Herzleistung Minderjähriger, die es mit Sicherheit irgendwo im Netz gibt. Die Aussage „Ich lehne mich einmal weit aus dem Fenster und behaupte, dass diese Frage in 98% aller Fälle verneint werden würde“ hat in einem objektiv geschriebenen Text absolut nichts verloren, denn ob logisch oder nicht, es ist eine reine Vermutung und damit schon fast auf BILD-Niveau (sofern man in diesem Kontext ein solches Wort benutzen kann).
    Mit dem letzten Abschnitt bin ich zu 100% einverstanden, jedoch finde ich die Idee eines gesetzlichen Mindestalters für Energy-drinks lächerlich, denn wie man an rauchenden Siebtklässlern sehen kann finden auch Kinder immer wieder Lücken, z.B. ältere Freunde, gefälschte Ausweise, unverantwortliche Verkäufer etc.

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