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355 ml, 473 ml, 568 ml – Die krummen Maßsysteme bei Energy-Drink-Dosen

In Deutschland gibt es eine große Anzahl an Herstellern und Energy-Drinks, die sich den deutschen Markt aufteilen oder neu erschließen. Die meisten werden im Laden lediglich auf die Bedruckung der Dose, den Hersteller oder die Marke achten. Ein anderer großer Teil interessiert sich für pfandfreie Drinks, bei denen die Dose einfach ohne schlechtes Gewissen im nächsten Mülleimer entsorgt werden kann, ohne das dabei 25 Cent entsorgt werden. In den Regalen der Händler begegnen einem die absoluten Standardgrößen der Getränkeabfüller, wie 250 ml, 330 ml, 500 ml oder die Großpackungen mit 1000 ml oder gar 3001 ml.

Manchmal ist die Welt jedoch nicht immer so gleichförmig und es tauchen Dosen mit den schrägsten Millilitervolumina auf. Die bekanntesten dieser ungewöhnlichen Formate dürften 473 ml und 568 ml sein. Handelt es bei diesen Mengen um „15,43 Prozent“ mehr Inhalt? War die Verpackungslieferung falsch?

Turm Energy-Drink-Dosen
Dosen in allen Farben und Formen, aber woher kommen ihre teilweise krummen Größen?

Weder noch, um diese uns befremdlichen Werte erklären zu können, ist ein Blick in die menschliche Zeitgeschichte notwendig. Schon sehr früh haben Menschen begonnen Tage, Wochen, Jahre, Entfernungen, Gewichte und noch vieles andere zu definieren. Der erste Schritt war im eigenen Umfeld für Gleichheit bei diesen Maßeinheiten zu sorgen. Es entwickelten sich somit viele Konzepte und lokale Systeme. Ein Volk musste nicht nur innerhalb der eigenen Gemeinschaft Handel betreiben, sondern auch mit andern Völkern und Maßen handeln. Dabei wurden zum Teil andere Konzepte übernommen. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde für Europa ein einheitliches Konzept der Maßeinheiten erarbeitet und systematisch eingeführt. Die Französische Revolution beflügelte dieses Vorhaben, sodass über viele Jahre sich das metrische System in Euro etablierte. Dieses System definiert die uns bekannten Maßeinheiten wie Meter, Gramm, Liter und deren Untereinheiten in Dezimaleinheiten.

Im Gegensatz dazu steht das imperiale System, das durch das Vereinigte Königreich vorangetrieben wurde. Bei diesem System handelt es sich allerdings nicht um ein geschlossenes System, sondern um gebrauchsspezifische Maße. Diese sind beispielsweise Zoll (inch), Fuß (foot), Schritt (yard), Meile (mile), Unze (ounce), Pfund (pound), Stein (stone), Flüssigunze (fluid ounce), Pint(e) (pint), Quart (quart), Gallone (gallon). Eine einfache Umrechnung und Dimensionierung wie beim metrischen System ist nicht gegeben.

Ähnlich wie im metrischen System „inoffizielle“ Maße wie Pfund verwendet werden, so ist dies auch beim imperialen System mit Pinte (pt.). Genau hier liegt die Ursache der 568-ml-Getränkedose. Eine Pinte in Großbritannien fasst 4 gil, die umgerechnet 568,26128524935 ml entspricht. Die Pinte in Großbritannien und die in den Vereinigten Staaten von Amerika ist ebenfalls nicht gleich. In den USA umfasst eine Pinte 4 liq. gil, die umgerechnet 473,176473 ml hat. Somit ist auch die 473 ml Dose vom US-amerikanischen Standpunkt aus betrachtet eine Standard-Größe. Auch die 355 ml Dose ist ein Standard aus den USA, denn in Flüssigunzen gesprochen hat diese Verpackungsgröße 12 fl oz. Das ist auf der anderen Seite des Atlantiks genauso normal, wie für uns die 330 ml-Portion. Gerade bei international vertriebenen Energy-Drinks kann man also die ungewöhnlich krummen Volumen finden.

Die Getränkedose ist nach der Flasche die wichtigste Verpackung für Getränke
Die Getränkedose ist nach der Flasche die wichtigste Verpackung für Getränke

In den Commonwealth-Staaten ist hingegen die Verpackungsgröße von 440 ml Standard. Dies soll mit dem Gewicht der vollen Dose zusammenhängen. Eine Dose die 440 ml enthält wiegt insgesamt 1lb, also ein britisches Pfund (453 g). Somit hat diese Verpackungsgröße den Vorteil, dass Spediteure und Händler es mit der Logistik einfacher haben, da die Anzahl der Dosen auf einer Palette auch gleichzeitig das Gewicht der Ladung plus Palette bedeutet.

Dem einen oder anderen mag auch die ungewöhnlich große PET-Flasche mit dem Inhalt von 3001 ml aufgefallen sein. Wer hier genau hinsieht, dem fällt auch auf, dass diese PET-Flasche kein DPG-Symbol aufweist. Dies liegt schlicht und einfach daran, dass das deutsche Pfandgesetz vom 29. Mai 2005 vorsieht, dass auf Einwegverpackungen von einem Volumen von 0,1 bis 3,0 Litern Pfand erhoben wird. Somit sind automatisch alle Gebindegrößen über 3,0 Litern – und da gehört das Volumen von 3001 ml eindeutig dazu – pfandfrei. Sozusagen eine Kuriosität des deutschen Pfandgesetzes.

Die Möglichkeit die Dose wieder zu verschließen bringt Einbußen beim Inhalt mit sich.
Die Möglichkeit die Dose wieder zu verschließen bringt Einbußen beim Inhalt mit sich.

Darüberhinaus gibt es auch noch Getränkedosen die ein Volumen von 485 ml haben. Auch hier dürfte sofort auffallen, wie dieser Wert zustande kommt. Die Dosen mit diesem Volumen haben einen Kunststoffverschluss der es ermöglicht, die Dose für einen späteren Zeitpunkt zu verschließen, damit die Kohlensäure nicht verloren geht. Damit diese Dose aber das gleiche Packmaß behält wie eine Dose mit 500 ml, wird für den relativ großen Verschluss einfach etwas vom Inhalt der Dose einsgespart.

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Ein Kommentar

  1. default avatar

    Danke für diesen aufschlussreichen Artikel!
    Den Zusammenhang mit dem Pfandgesetzt vermutete ich schon, aber der Rest war mir neu.

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